

Der „schweizerische“ Inverter von Energolux auf Midea-Plattform: ein ansehnliches Innengerät, aber ein überraschend schwacher Wärmetauscher – die in unserer Stichprobe rekordverdächtig geringe Kupferfläche zwingt den Kompressor, mit erhöhten Drehzahlen zu arbeiten.


Der „schweizerische“ Inverter von Energolux auf Midea-Plattform: ein ansehnliches Innengerät, aber ein überraschend schwacher Wärmetauscher – die in unserer Stichprobe rekordverdächtig geringe Kupferfläche zwingt den Kompressor, mit erhöhten Drehzahlen zu arbeiten.
1 / 6Energolux wird als Schweizer Marke positioniert, in der Fertigungskette handelt es sich jedoch um ein Midea-OEM-Modell: Gehäuse, Anzeigeplatine, Fernbedienung und das typische Gitter des Außengeräts sind sofort wiederzuerkennen. Die Serie Davos ist nach dem Skiort benannt; auf dem Aufkleber ist eine Haftpflichtversicherung über 15 Millionen Rubel angegeben (zum Vergleich: einige japanische und große chinesische Marken versichern bis zu 1 Million US-Dollar). Der Preis des getesteten 7er-Geräts liegt bei 46 700 Rubel. Das ist bereits kein Budget-Inverter mehr – und bei diesem Preis wären integriertes Wi‑Fi und ein physischer Ionisator naheliegend; beides fehlt hier. Wi‑Fi wird als Option per USB-Stick angeboten, und den auf dem Karton angekündigten Ionisator konnten weder wir noch der Hersteller im Bild eindeutig verorten.
Optisch wirkt das Innengerät sauber verarbeitet: eine Front aus ungewöhnlichem „Custom“-Kunststoff, die weit aufklappt; ein Feinstaubfilter liegt serienmäßig nur einmal bei. Im Inneren steckt eine typische Midea-Idee: eine universelle Montagezone für das Display, in die – je nach Ausstattung – die Anzeigeplatine in einer von zwei Positionen eingesetzt werden kann. Das Wi‑Fi-Modul (falls nachgekauft) wird „unter die Haut“ gesetzt: Der USB-Stick verschwindet in einer Aufnahme unter der Frontblende; nach der Wandmontage ist er nur noch umständlich erreichbar.
Die Fernbedienung ist ebenfalls Midea-typisch – mit integrierter Beleuchtung und dem markanten „Gitter“-Tastendesign. Ergonomisch gibt es spürbare Schwächen: Die Anzeige auf der Front wirkt, als schaue man „durch Milchglas“, zudem sitzt das Display schlecht im Gehäuse. Die Lüfterstufen werden in Prozent (20/40/60/80/100) angezeigt; diese Prozentwerte teilen sich die Anzeigefelder mit der Temperatureinstellung – an derselben Stelle des Displays – was verwirrt. Auch die Logik der Stufenumschaltung ist wenig intuitiv: Der erste Tastendruck markiert nur die aktuelle Stufe, und erst innerhalb von ein bis zwei Sekunden ändert ein weiterer Druck die Stufe – verpasst man das Zeitfenster, beginnt alles von vorn.
Der Geräuschtest auf Minimalstufe ergibt 32,6 dB, etwas unter unserem Saisonmittel (33 dB). Subjektiv ist es leise, ein klarer mechanischer Grundton ist aber vorhanden. Den Stresstest am Labor-LATR hat das Gerät beide Male bestanden: 150 V und 100 V am Eingang – Betrieb ohne Abschaltungen.
Der Wärmetauscher des Innengeräts ist die größte – und leider negative – Überraschung. Einreihig, 5‑mm-Kupfer, insgesamt nur 8 U-Bögen à 51,5 cm. Nach unserer Messmethodik beträgt die Kupferoberfläche 0,13 m². Das ist ein Negativrekord in unserer Messreihe: Eine kleinere Fläche haben wir bislang bei keinem Modell gesehen. Das wirkt sich direkt auf die deklarierte Energieeffizienz „A++“ aus: Das Gerät kann keine großen Wärmeströme abführen und kompensiert die fehlende Fläche durch eine niedrigere Kältemitteltemperatur sowie ein aggressiveres Arbeitsregime des Außengeräts.
Das Außengerät wirkt äußerlich vertraut: das typische Midea-Gitter, ein sauberer Energolux-Schriftzug und eine fragwürdige „Wanne“ zum Portschutz unten am Gehäuse, in der sich bei Minusgraden Eis sammeln wird. Die Vibrationsmessung ergab 0,29–0,35 – deutlich über der Norm. Ursache ist nicht die Montagequalität, sondern eben der Flächenmangel des Innengeräts: Um die Kälteleistung zu halten, läuft das Außengerät dauerhaft mit erhöhten Ventilatordrehzahlen, und der Kompressor pumpt das Kältemittel im angestrengten Betrieb. Der DC-Lüftermotor kommt faktisch nicht dazu, „durchzuatmen“.
Im Außengerät arbeitet ein GMCC-Kompressor der KSK-Baureihe mit dem Index 75. KSK ist eine ältere Serie als die moderne KSN, die üblicherweise in „echten“ Invertern dieser Klasse verbaut wird. Die Drosselung erfolgt über ein einfaches Kapillarrohr; ein EEV ist erwartungsgemäß nicht vorhanden. Qualität der Montageplatte und die Gesamtmontage sind ordentlich. Die Kupferoberfläche des Außenwärmetauschers beträgt 0,27 m², ohne Fehlstellen – ein durchschnittlicher Wert in der Stichprobe.
Fazit zum Energolux Davos: ein ordentlich montiertes, optisch ansprechendes Midea-OEM, bei dem die Technik zugunsten von Design und Marketingpositionierung zurücksteht. Stärken: Design, robuste Montageplatte, unaufgeregter Betrieb bei Unterspannung, ordentlicher Geräuschmesswert, Leitungslänge 25 m. Schwächen: rekordverdächtig geringe Kupferfläche im Innengerät, erhöhte Vibrationen des Außengeräts, fehlender Ionisator trotz Deklaration, schwache Anzeige und unbequeme Fernbedienung, veraltete Kompressorbaureihe. Empfehlenswert für alle, denen vor allem die Optik und das Paket „Inverter + Wi‑Fi (optional) + 25 m Leitung“ wichtig sind – und nicht die maximale Leistung pro Watt.