

Eine wenig bekannte chinesische Marke von einem nicht eindeutig zuzuordnenden Werk: ein grauenhafter „kochender“ Kältemittelton bei 46 dB und ein winziger einreihiger Wärmetauscher. Ein guter GMCC-Kompressor für 25 Tausend ist kein Grund, den Rest zu ignorieren.


Eine wenig bekannte chinesische Marke von einem nicht eindeutig zuzuordnenden Werk: ein grauenhafter „kochender“ Kältemittelton bei 46 dB und ein winziger einreihiger Wärmetauscher. Ein guter GMCC-Kompressor für 25 Tausend ist kein Grund, den Rest zu ignorieren.
1 / 5KEG ist 2025 auf dem russischen Markt erschienen, und bisher gibt es dazu nur ein Minimum an Informationen. In Europa steht diese Abkürzung für ein deutsches Ingenieurbüro, das mit Kältetechnik jedoch nichts zu tun hat. Unser KEG hat chinesische Wurzeln, aber das konkrete Herstellerwerk lässt sich anhand von Gehäuse, Anzeigeplatine und Fernbedienung nicht sicher identifizieren – die Fernbedienung ähnelt vom Formfaktor her sowohl Gree als auch Haier und BIO. Der Preis der 9er Classic L On/Off liegt bei rund 25 Tausend Rubel – nach heutigen Maßstäben ist das nicht mehr das absolute Ende des Einstiegssegments: Genau in dieser Preisklasse findet man eine Reihe deutlich nachvollziehbarer Marken mit transparenter Werksherkunft.
Optisch wirkt das Innengerät ordentlich: ohne verspielte Zierelemente, weiße Frontblende, üblicher Filterverschluss. Der Filter selbst ist weiß – ein indirektes Zeichen, dass das Werk nicht Midea ist. Feinfilter sind nicht im Lieferumfang. Die Fernbedienung ist klassisch, mit zwei Wippen und einer mittleren Taste; eine Displaybeleuchtung fehlt komplett – für diese Klasse eine Vereinfachung, die sofort auffällt. Batterien liegen bei, was bei den aktuellen Lieferungen nach Russland ein angenehmes Detail ist.
Der prägende Eindruck vom Innengerät ist der Geräuschpegel. Direkt nach dem Einschalten ist ein klarer Fremdton zu hören; bei der Zerlegung zeigt sich: Es ist weder Ventilator noch Lufteinlass, sondern das Kältemittel selbst. Es „kocht und pfeift“ buchstäblich in den Rohren des Wärmetauschers und überlagert alle anderen Geräusche. Auf minimaler Ventilatorstufe misst das Gerät 46 dB. Das ist eindeutig viel – in unserer Messreihe haben wir solche Werte nur bei den billigsten On/Off-Modellen gesehen, und für eine 9er aus 2025 ist das ein schwaches Ergebnis. Vor dem Kältemittelgeräusch geht sogar die Auswertung der tatsächlichen Drehzahlstufen unter: Das Messgerät bestätigt fünf Ventilatorstufen (Mute über die „Ohr“-Taste, drei Arbeitsstufen und Turbo), doch die „Mechanik“ des Ventilators ist hinter dem Grundgeräusch praktisch nicht wahrnehmbar.
LATR-Test: 150 V am Eingang hält das Gerät sicher, bei 100 V arbeitet es formal weiter, der Effekt ist aber ähnlich wie bei JAX aus demselben Segment – der Kompressor „überlebt“, der Luftstrom fällt fast auf null, die Anzeige wird blass.
Im Inneren ist das Gerät schlicht aufgebaut. Der Wärmetauscher ist einreihig, insgesamt nur 6 U-Bögen bei 53 cm Windungslänge, Kupfer 7 mm. Nach unserer Messmethodik beträgt die Oberfläche 0,14 m². Das ist einer der niedrigsten Saisonwerte: Weniger hatten wir nur bei Energolux. Der Lufttemperaturfühler ist nur provisorisch befestigt – er „wackelt“ frei in seiner Aufnahme; im montierten Zustand ist das nicht kritisch, bei einer Demontage zur Wartung kann das Kabel jedoch leicht an die falsche Stelle rutschen.
Das Außengerät wirkt einfacher als die Preisnachbarn. Der Diffusor ist klein und nicht über die volle Gehäusehöhe; ein Portschutz fehlt. Auf dem Aufkleber steht R410A – für 2025 ist das bereits veraltet, der Markt ist auf R32 umgestiegen. Innen gibt es praktisch keine Schalldämmung am Kompressor, die Isolierung der Kältemittelleitungen ist einfach, der Wärmetauscher ist dünn und weist zwei „Aussetzer“ auf: Der obere und der untere Bereich arbeiten physisch nicht. Die Vibration liegt bei 0,40 – deutlich über unserem Standardkorridor (≤0,20) – und zeigt, dass das Gerät wegen der schwachen Geräusch-/Schwingungsdämpfung spürbar „rüttelt“.
Das einzige wirklich „ehrliche“ Bauteil im Außengerät ist der GMCC-Kompressor der KSN-Serie mit Index 86. Eine moderne Serie, für die 9er korrekt gewählt. Die Kupferoberfläche des Außentauschers beträgt 0,24 m², leicht unter dem Saisonmittel. Das Verhältnis „Innen- zu Außengerät“ in Bezug auf die Wärmeübertragung ist stimmig, die absoluten Werte sind bei beiden jedoch zu klein.
Fazit zum KEG Classic L: ein Fall ohne mildernde Umstände – für 25 Tausend gibt es am Markt deutlich schlüssigere Modelle von Werksmarken mit nachvollziehbarer Herkunft. Stärken: passend ausgelegter GMCC KSN86, formaler Betrieb bei 100 V, saubere Optik des Innengeräts. Schwächen: 46 dB gemessener Lärm mit „kochendem“ Kältemittel, kein Feinfilter und keine Displaybeleuchtung der Fernbedienung, rekordverdächtig kleine Fläche des Innenwärmetauschers, veraltetes Kältemittel R410A, fehlende Kompressorschalldämmung, erhöhte Vibration (0,40), „Aussetzer“ im Außenwärmetauscher. Eine Kaufempfehlung zu diesem Preis können wir nicht geben – ein fairer Preis für diese Konstruktion läge eher bei 17–18 Tausend.