Technik · 13. August 2026 · 2 Min. Lesezeit

20 Jahre des Wiener Fernkältesystems

Auf Wien entfallen etwa drei Viertel des österreichischen Fernkältenetzes, das rund 300 Gebäude kühlt. In den kommenden Jahren wird das Netz weiter ausgebaut.

20 Jahre des Wiener Fernkältesystems

Wien entwickelt seit 20 Jahren ein Fernkältesystem. Der erste Vertrag wurde 2006 unterzeichnet, und die erste Anlage nahm 2007 im Stadtteil Erdberg den Betrieb auf. Seitdem wurde das Netz rasch ausgebaut, und heute betreibt Wien Energie 25 Anlagen der Fernkälteversorgung und versorgt damit mehr als 300 Gebäude mit Kälte.

Zu den angeschlossenen Objekten gehören zum Beispiel:

  • 🏥 Wiener Allgemeines Krankenhaus (AKH)
  • Rathaus
  • Universität Wien
  • Naturhistorisches Museum
  • Ronacher-Theater
  • 🏨 Hotel Sacher
  • ☕ Café Central

An das System werden auch Wohnquartiere angeschlossen. 2024 wurde im Stadtzentrum der Bau eines 4.7 Kilometer langen Ringnetzes abgeschlossen, und bis 2030 plant Wien Energie, weitere 100 Millionen Euro in den Ausbau zu investieren.

Heute verfügt Wien über das größte Fernkältenetz in Österreich. Seine Länge beträgt rund 33 Kilometer, was etwa drei Vierteln des gesamten österreichischen Netzes entspricht. 2026 erreichte die Systemleistung 250 Megawatt, und bis 2030 soll sie auf 370 Megawatt steigen.

Steigende Temperaturen machen solche Systeme zunehmend gefragt. In den letzten Jahren erlebt Wien regelmäßig Hitzeperioden und Tropennächte. Bei einer Lufttemperatur von etwa 35 °C ist der Bedarf an Fernkälte um ungefähr 60 % höher als bei 25 °C. Kühlung wird damit nicht nur zur Komfortfrage, sondern auch zu einem wichtigen Faktor für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung.

So funktioniert das System

Das Funktionsprinzip ist einfach:

  • gekühltes Wasser wird in speziellen Anlagen erzeugt;
  • es wird über unterirdische Rohrleitungen zu den Gebäuden gepumpt;
  • dort nimmt es überschüssige Wärme auf;
  • anschließend fließt es zur erneuten Abkühlung zurück.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Klimaanlagen gibt ein solches System die Wärme nicht direkt an die Außenluft ab, was dazu beiträgt, die Aufheizung des städtischen Umfelds zu verringern. Weitere Vorteile sind:

  • geringere Geräuschentwicklung;
  • keine Außengeräte an Fassaden;
  • die Möglichkeit, Dächer für andere Zwecke zu nutzen.

Kältequellen und Effizienz

Zur Kälteerzeugung nutzt Wien Energie:

  • umweltfreundlichen Strom;
  • Abwärme;
  • natürliche Kältequellen.

Insbesondere wird Wasser aus dem Donaukanal eingesetzt, das über Wärmetauscher hilft, Wärme aus dem System abzuführen. Im Winter reicht die natürliche Kühlung mitunter aus, um einen Teil des Bedarfs zu decken.

Im Sommer 2025 wurde am Campus der Medizinischen Universität Wien erstmals ein Eisspeichersystem in Betrieb genommen. Die gespeicherte Kälte wird in Spitzenlastzeiten genutzt, was die Effizienz des gesamten Kühlsystems erhöht.

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