Heimspeicher oder, wie sie auch genannt werden, Energiespeicher für Zuhause sind heute breit verfügbar. Anbieter profitieren vom Wegfall der Net-Metering-Regelung. Das soll die Speicherung des eigenen Solarstroms rentabel machen. Und Anbieter behaupten, man könne damit Geld verdienen. Aber wie genau funktioniert das? Berater Wim Schermer hat alles durchgerechnet und beantwortet elf Fragen.
1. Wann ist ein Heimspeicher sinnvoll?
Laut Schermer ist eine Heimbatterie nur dann sinnvoll, wenn auf dem Dach Solarmodule installiert sind. „Die Anzahl der Solarmodule sollte zum Energieverbrauch passen; das bedeutet sechs bis zwölf Module. Heimbatterien sind nur dann eine rentable Investition, wenn sie mindestens 250-mal pro Jahr geladen und entladen werden können. Eine Batterie, die im Sommer durch Solarmodule geladen wird, abends, nachts und am nächsten Morgen aber nicht vollständig genutzt wird, ist zu groß. Technisch ist das natürlich möglich, aber ungenutzte Kapazität ist Geldverschwendung.“ Laut Schermer kann das bedeuten, dass Tausende Euro umsonst investiert wurden. So wie Heimbatterien, die abends nicht vollständig entladen werden, nutzlos sind, gilt seiner Meinung nach dasselbe für Heimbatterien, die tagsüber nicht vollständig geladen werden. „In diesem Fall wird ebenfalls ein Teil der Kapazität nicht genutzt, und die Batterie ist unnötig groß und teuer.“ Bei mindestens 250 Lade- und Entladezyklen wird eine Heimbatterie zu mindestens 80 Prozent genutzt. In diesem Fall beträgt die Amortisationszeit höchstens acht Jahre, was Schermer für akzeptabel hält. „Sinkt der Nutzungsgrad auf 40 Prozent, nähert sich die Amortisationszeit sechzehn Jahren. Sechzehn Jahre entsprechen der Lebensdauer einer Heimbatterie; bei einer solchen Amortisationszeit verdienen Sie also nichts. Dann ist es zum Beispiel besser, das Geld auf die Bank zu legen.“ Eine Batterie kann jedoch in Häusern mit vielen Solarmodulen wirklich nützlich sein. Schermer: „Viele Menschen haben ihre Dächer wegen der Net-Metering-Regelung mit Solarmodulen vollgelegt, aber nach Abschaffung dieser Regelung bekommen sie für die Einspeisung ins Netz nichts mehr.“ Laut Schermer kann eine Heimbatterie diese Verluste teilweise ausgleichen, aber auch dann gilt: Wenn die Batterie morgens nicht leer ist, ist ihre Kapazität zu groß.
2. Wie bestimmt man die Kapazität eines Heimspeichers?
Laut Schermer muss man zur Ermittlung der richtigen Kapazität einer Heimbatterie den jährlichen Stromverbrauch mit 0,7 multiplizieren. Das steht für den Stromverbrauch am Abend, in der Nacht und am nächsten Morgen. Das Ergebnis muss durch 365, die Anzahl der Tage im Jahr, geteilt werden. Bei einem Stromverbrauch von 3000 kВт·h ergibt das eine Heimbatterie mit einer Kapazität von 5,8 kВт·h. Laut Schermer wird diese Batterie mindestens 250-mal pro Jahr geladen und entladen. „Für eine Batterie mit 5 kВт·h benötigen Sie sechs bis acht Solarmodule, aus denen Sie von März bis November Energie beziehen.“
3. Lohnt sich die Installation eines Heimspeichers bei dynamischen Stromtarifen?
Laut Schermer ist eine Heimbatterie ohne Solarmodule nicht sinnvoll, aber wäre sie rentabel, wenn man dynamische Strompreise nutzt? Seiner Ansicht nach nicht. „Sie liefert zu wenig Energie; am Ende bleibt vielleicht nur ein Euro pro Tag. Das führt zu einer übermäßig langen Amortisationszeit.“
4. Einige Anbieter behaupten jedoch, man könne mit Heimspeichern Geld verdienen. Stimmt das?
Anbieter, die das behaupten, sagen die Unwahrheit. Energiehandel durch Laden bei niedrigen Tarifen und Einspeisen bei hohen Tarifen wird nach dem 1 Januar 2027 der Vergangenheit angehören. „Sie bekommen weiterhin 6 Cent pro kВт⋅h für die Einspeisung, aber Energieanbieter berechnen auch 6 Cent für die Einspeisung ins Netz. Es bleibt also nichts übrig.“ In Beratungen ist Schermer kürzlich auf Betrug durch einen Anbieter gestoßen. „Einer Frau bot die Firma Domogo einen Heimspeicher mit 25 kВт·h an und behauptete, sie könne damit in zwanzig Jahren 43 700 Euro verdienen. Die Kosten betrugen 13 100 Euro, sodass sie am Ende einen Gewinn von 30 600 Euro erzielen würde. Der Stromverbrauch der Frau lag bei 2150 kВт·h pro Jahr, die Solarmodule erzeugten 4000 kВт·h pro Jahr, und sie heizte das Haus weiterhin mit Gas. In so einer Situation ist ein Heimspeicher praktisch nutzlos, erst recht ein 25-kWh-Speicher. Das ist daher reiner Betrug, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Frau zur Anschaffung des Speichers einen Kredit aufnehmen musste“.
5. Ergibt es Sinn, einen Heimspeicher für ein Elektroauto und eine Wärmepumpe zu nutzen?
Laut Schermer ist ein Heimspeicher zum Laden eines Autos nicht sinnvoll. „Mit einem Heimspeicher von 5 kВт⋅h kommen Sie nicht weit, wenn Sie ein Auto mit einer Batterie von 60 bis 80 kВт⋅h laden. Dasselbe gilt für einen großen und teuren Heimspeicher mit 10 kВт⋅h und mehr.“ Seiner Ansicht nach ist ein Heimspeicher auch für eine Wärmepumpe nutzlos. „Der typische Verbrauch einer Wärmepumpe liegt bei 2 kВт. Wenn Sie sie mit einem Heimspeicher von 5 kВт⋅h betreiben, ist er in nur 2,5 Stunden leer. Eine Wärmepumpe kann 5 Stunden mit einem Speicher von 10 kВт⋅h laufen, aber Investitionen von 6000–9000 Euro führen zu einer übermäßig langen Amortisationszeit.“
6. Kann ein Heimspeicher eine Lösung sein, wenn 2029 zeitabhängige Stromtarife eingeführt werden?
Nein, auch wenn 2029 zeitabhängige Stromtarife in Kraft treten, wird ein Heimspeicher das Problem der Wärmepumpen nicht lösen, meint Schermer. Im aktuellen Vorschlag beginnt die Hochpreisphase in den Wintermonaten um 16:00 und endet um 23:00; das sind sieben Stunden, und genau dann sind viele Menschen zu Hause. „In diesen sieben Stunden verbraucht eine Wärmepumpe bis zu 14 kВт⋅h. Aber selbst ein Speicher dieser Größe ist nutzlos. Schließlich erzeugen Solarmodule in den Wintermonaten kaum Strom, sodass Sie diese sieben Stunden mit einem Heimspeicher ohnehin nicht ausgleichen können.“ Und Laden am Tag, wenn die Strompreise niedrig sind? Schermer: „Das liefert zu wenig Energie, um eine gute Amortisationszeit für einen Heimspeicher zu erreichen.“ Um diese sieben Stunden auszugleichen, sieht Schermer mehr Vorteile in der Nutzung eines Warmwasserspeichers. Ein Artikel zu diesem Thema erscheint in Kürze.
7. Welche Arten von Heimspeichern gibt es auf dem Markt?
Laut Schermer haben diejenigen, die einen Heimspeicher kaufen möchten, ungefähr zwei Optionen: einen kompakten Plug-in-Speicher oder einen größeren, fest angeschlossenen Heimspeicher. „Zur ersten Kategorie gehören Plug-in-Speicher wie die HomeWizard Plug-In Battery mit 2,7 kВт·h. Sie ist einfach zu installieren, hat aber eine begrenzte Kapazität und eine niedrigere praktische Effizienz.“ HomeWizard gibt eine durchschnittliche Effizienz von 70 bis 85 Prozent an; in der Praxis bedeutet das, dass 2,7 kВт·h Speicher etwa 1,9 bis 2,3 kВт·h nutzbare Energie liefern. „Die Kapazität lässt sich mit mehreren Modulen erhöhen. Allerdings muss der elektrische Anschluss sorgfältig durchdacht werden. Ein Speicher liefert maximal 800 W. Bei mehreren Speichern kann die Ladeleistung steigen, aber für eine höhere Entladeleistung ist ein eigener Stromkreis erforderlich.“ Die zweite Option ist ein größerer, fest angeschlossener Heimspeicher, oft in Kombination mit einem Hybrid- oder separaten Wechselrichter. Solche Systeme haben in der Regel eine höhere Kapazität und Leistung und können für einen dreiphasigen Anschluss geeignet sein. Sie sind effizienter als viele netzgekoppelte Plug-in-Speicher, aber nicht frei von Verlusten: Energie geht auch beim Laden, Entladen und bei Rückspeisung verloren. Je nach Marke und System kann der Speicher zum Beispiel über Modbus, eine API oder ein Energiemanagementsystem an Home Assistant angebunden werden. Dadurch lässt sich der Speicher intelligent steuern, etwa Laden bei niedrigen Strompreisen oder bei ausreichend Solarstrom und Entladen in Zeiten, in denen Strom teurer ist.

Heimbatterie im Haus von Wim Schermer. Er hat sie als Experiment im Rahmen seiner Beratungsarbeit für einen Gewerbepark installiert. Es ist eine große Batterie mit 25,6 kВт⋅h; darüber sind ein Hybrid-Wechselrichter und ein Notstrommodul installiert.
8. Werden Heimspeicher günstiger?
Der aktuelle Preis für Heimspeicher liegt bei etwa 450 Euro pro kВт⋅h. Aber dieser Preis sinkt. So gibt es zum Beispiel bereits Anbieter großer Speicher für 300 Euro pro kВт⋅h. Wirklich attraktiv wird ein Speicher erst bei einem Preis von 200 Euro pro kВт⋅h. Dann können Sie einen Speicher ohne Strafzahlungen kaufen und Ihre Investition immer amortisieren. Dafür ist der aktuelle Preis eines Heimspeichers noch zu hoch, und er amortisiert sich nur bei 250 Lade- und Entladezyklen pro Jahr.
9. Wie lange hält ein Heimspeicher?
Die Standardlebensdauer beträgt 6000 Zyklen; bei 250 Lade- und Entladezyklen ergibt das 24 Jahre. Es gibt Heimbatterien, die noch mehr Zyklen verkraften. Das ist jedoch nur Theorie. Bei starker Kälte oder Hitze verkürzt sich die Lebensdauer zum Beispiel.
10. Beeinflusst ein Heimspeicher die Überlastung des Stromnetzes?
Ja, der Einfluss kann beidseitig sein: Ein Heimspeicher kann das Stromnetz entlasten, aber zu bestimmten Zeitpunkten kann er tatsächlich eine zusätzliche Belastung erzeugen. Das hängt vor allem davon ab, wie der Speicher gesteuert wird. Wenn Heimspeicher auf dynamische Strompreise reagieren, kann ein neuer Spitzenmoment entstehen. Wenn der Strompreis stark fällt, können viele Speicher gleichzeitig mit dem Laden beginnen. Für einzelne Haushalte ist das sinnvoll, aber auf Quartiersebene kann es einen plötzlichen Anstieg der Stromnachfrage bedeuten. Besonders in Vierteln, in denen in vielen Häusern Solarmodule, Wärmepumpen und Heimspeicher installiert sind, kann das das lokale Stromnetz zusätzlich belasten. Ein Heimspeicher kann auch helfen, Spitzen zu glätten. Tagsüber kann Solarstrom vorübergehend gespeichert werden, statt direkt ins Netz eingespeist zu werden. Am frühen Abend, wenn viele Haushalte gleichzeitig Strom nutzen, kann der Speicher das Haus mit Strom versorgen. Dadurch wird in diesem Moment weniger Strom aus dem Netz benötigt. Somit hängt der Einfluss von Heimspeichern auf Netzüberlastung stark davon ab, wie sie eingesetzt werden. Werden Speicher vor allem genutzt, um den eigenen Solarstrom effizienter zu verwenden und Lastspitzen im Viertel zu begrenzen, können sie zur Entlastung des Stromnetzes beitragen. Werden sie hingegen hauptsächlich eingesetzt, um auf niedrige Marktpreise oder starke Preisschwankungen zu reagieren, können sie die Belastung des Stromnetzes tatsächlich erhöhen.
11. Und wie steht es um die Sicherheit?
„Moderne Lithium-Eisenphosphat-(LFP)-Batterien sind sehr sicher. Das gilt jedoch unter der Voraussetzung, dass die Installation größerer, stationärer Systeme insbesondere von einer qualifizierten Fachkraft durchgeführt wird. Der Selbstbau eines günstigen chinesischen Kits mit zu dünnen Kabeln und billigen Verbindungsmaterialien kann ein erhebliches Brandrisiko darstellen. Im Brandfall kann der Versicherer ‚schuldhaftes‘ Verhalten als Grund nutzen, eine Entschädigungszahlung zu verweigern oder deutlich zu begrenzen. Eine Rücksprache mit Ihrem Versicherer klärt das schnell“.
