Italienische Wissenschaftler haben festgestellt, dass Trifluoressigsäure (TFA), die in der Atmosphäre beim Abbau einiger fluorhaltiger Kältemittel entsteht, die Antikörperproduktion in Experimenten an menschlichen Zellen deutlich verringert. Der Effekt erwies sich als vergleichbar mit der Wirkung von Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), die für ihre immuntoxischen Eigenschaften bekannt ist. Die Studie wurde im Labor für Toxikologie und Risikobewertung der Universität Mailand mit Unterstützung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) durchgeführt.
An der Arbeit mit dem Titel „Decoding PFAS immunotoxicity: a NAMs-based comparison of short vs. long chains“ waren beteiligt:
- die Professorin für Toxikologie Emanuela Corsini
- die Forschenden Valentina Galbiati und Martina Julini
- die Professorin Marina Marinovich
Die Wissenschaftler bewerteten erstmals die potenzielle Toxizität von TFA für den Menschen unter Verwendung neuer Ansätze auf Basis menschlicher Zellen. Sie verglichen die Wirkung der ultrakurzkettigen TFA (zwei Kohlenstoffatome) mit langkettigen PFAS wie PFOS und PFOA und stellten fest, dass die Kettenlänge kein zuverlässiger Indikator für Immuntoxizität ist.
Woher TFA stammt 🌍
TFA entsteht:
- als Ergebnis der vollständigen Zersetzung innerhalb von 2 Wochen des Kältemittels HFO-1234yf
- beim teilweisen Abbau anderer HFO und von HFC-134a
- beim Abbau einiger Pestizide und Arzneimittel
Derzeit gilt TFA als das am weitesten verbreitete PFAS in der Umwelt, im Trinkwasser und in Lebensmitteln. Es wird im menschlichen Blutserum gefunden, unter anderem in medianen Konzentrationen von etwa 17 ng/ml laut Studien aus North Carolina.
Ergebnisse der Experimente 🧪
In Experimenten mit mononukleären Zellen aus peripherem Blut von Spendern unterdrückten TFA und PFOS in Konzentrationen von 0.001, 0.1 und 10 µg/ml die Produktion der Antikörper IgG und IgM, ohne die Zellen selbst zu schädigen.
- Die Verringerung der Antikörper-Stimulationswerte war bereits bei 0.1 µg/ml für PFOS statistisch signifikant
- und zeigte sich in ähnlicher Weise für TFA
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass selbst ultrakurze PFAS-Ketten eine starke immunsuppressive Wirkung entfalten können, die mit der Wirkung langkettiger Analoga vergleichbar ist.
